Tipps und Tricks für den Steckbrief: Aussehen (humanoid)

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Kratos
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Tipps und Tricks für den Steckbrief: Aussehen (humanoid)

#1

Beitrag von Kratos » Di 28. Nov 2017, 02:38

So. Ich habe selbiges schon einmal für den Unterpunkt Charakter gemacht, und tue es jetzt einmal fürs Aussehen.
Vorne weg: Ich beziehe mich hier nur auf humanoide, beziehungsweise Menschen-Charaktere, da ich selbst keine Ahnung habe, wie ich das bei einem Tier am besten mache. Das müsste ggf einer unserer Tierspieler mal ergänze

Zum Aussehen habe ich leider keinen schönen Fünfpunkteplan, sondern eher eine endlose lange Liste von "Mach das, und jeder, einfach jeder, wird dich hassen" (oder auch: Don'ts, wenn man so will)
Um das ganze etwas plastischer zu machen, werde ich jetzt einfach ein "Beispielaussehen" schreiben. Kein besonders gutes, oder langes, und ich werde nach jedem Punkt, den ich, als Leiter, kritisieren würde, eine Erklärung anfügen.
Wie immer ist das hier ein rein subjektiver Guide, und ein anderer Leiter würde eventuell etwas ganz anderes sagen.

Barbara ist mittelgroß, sehr schlank, aber mit Kurven. Sie ist außerdem muskulös. Ihr Kopf sitzt auf einem Hals, der in Schultern endet. Ihre Brüste haben ein B-Körbchen. Barbaras Augen sind blau, und sehr auffällig, weil sie so blau sind. Sie hat blonde Haare, ein ovales Gesicht und reine Haut. Ihre Haare gehen ihr bis zur Taille, und sind lang und voll.
Barbara hat einige Tattoos, und Narben an den Armen und Beinen. Sie trägt gerne T-Shirts und Jeans, außerdem mag sie Ballerinas.


Das ist also Barbara. An und für sich kann sich jeder jetzt Barbara vorstellen, hoffe ich. Jedoch haben sich hier einige Dinge eingeschlichen, die wirklich grober Unfug sind, und die einen guten Steckbrief, oder sogar einen guten Charakter, total ruinieren können.
Und zwar folgende Dinge.

1. Die Strukturierung:
Es gibt wenig, was ein Aussehen so ruinieren kann, wie eine besch*ssene Strukturierung. Was am besten funktioniert, ist sich erst ein grobes Gesamtbild machen, und sich dann von oben nach unten durcharbeiten. Hier wurden also schon Ansätze richtig gemacht, aber dann ist daraus ein ziemlicher Albtraum geworden.
Meine persönliche Lieblingsreihenfolge ist diese: Körperbau, Haare, Gesichtsform, Augen, Nase, Mund, Hautfarbe, sonstiges erwähnenswertes (Narben, Tattoos), Kleidungsstil.
Bei dieser Struktur wirkt das ganze Aussehen einer Musterung von oben nach unten, und es ist einfacher, sich alles zu merken.

2. Unnötige Infos:
Beim Aussehen gilt für mich außerdem eine goldene Regel: Alles, was nicht ungewöhnlich ist, kann weggelassen werden. Jeder Kopf, sitzt auf dem Hals, der wiederrum auf Schultern sitzt. Wenn man sowas liest, denkt man sich im besten Fall "Oh, da wollte aber jemand sein Aussehen strecken", und im schlimmsten Falle fragt man sich, wieso genau das jetzt im Aussehen steht.
Sollte der Hals des Charakters auf dem Kopf sitzen, der Charakter nur ein Auge haben, etc, dann ist das erwähnenswert, aber alles, was mit der durchschnittlichen, menschlichen Anatomie zusammen passt, kann getrost weggelassen werden.

3. Auffälligkeiten:
Ich ruiniere den Traum anderer Spieler nur sehr, sehr ungern, aber es gibt kaum einen Menschen, dessen auffälligstes Merkmal seine Augen sind. Warum? Augen sind extrem klein, und sitzen in der Mitte des Gesichts. Tatsächlich gibt es wenig Menschen, die sich überhaupt viele Augenfarben merken, beziehungsweise sie extrem wahrnehmen, wenn sie nicht direkt vor jemandem stehen - auch, weil man Leuten auch nicht bewusst in die Augen glotzt, um die Farbe herauszufinden. Und gerade braune, grüne oder blaue Augen sind nicht auffällig.
Mit Auffälligkeiten könnten zum Beispiel violette Augen, oder gelbe Augen, eben solche, die aus der biologischen Norm herausfallen, gemeint sein, weil wir sie als unnatürlich empfinden, und deshalb eher auf sie achten. Sonst ist das bei der Betrachtung eher "aha, der hat Augen, okay, weiter im Text".

4. Beschreibungen:
Ich bin kein Freund von ewig langen Steckbriefen. Das bin ich wirklich nicht. Aber es gibt Dinge, die müssen nunmal beschrieben werden. Dazu gehören Tattoos. Hat ein Charakter ein Tattoo, dann wird es früher oder später jemand sehen. Irgendjemand. Im Zweifelsfalle er selbst. Als Spieler selbst sollte man wissen, wie sein Charakter aussieht. Selbst, wenn man keine besonders gute visuelle Vorstellungskraft hat, sollte man wissen, welche Haar- und Augenfarbe er hat, wie groß er ungefähr ist etc. Besonders wichtig sind aber Merkmale wie Narben oder Tattoos, die nicht nur das Aussehen, sondern eben auch einen Teil der Vergangenheit, oder des Wesens des Charakters repräsentieren. Bei Tattoos und Narben soll es eben auch darum gehen, dass andere Spieler nicht jedes Mal nachfragen müssen, dass sie vernünftig auf euren Charakter eingehen können.
Hat ein Charakter jede Menge Narben davon, dass er mal einen Unfall hatte, dann reicht im Grunde "an Armen, Beinen und Rücken hat er Narben davon, dass er mal durch eine Autoscheibe geflogen ist", und schon kann man sich vorstellen, wie diese Narben ungefähr aussehen. Hat ein Charakter aber eine Narbe von einer langen OP, sehen solche Narben ganz anders aus, wiederum anders sehen Narben aus, die von selbstverletzendem Verhalten herrühren. Das sind alles Dinge, die euren Charakter anders erscheinen lassen, und auch auf das Wesen eures Charakters Auswirkungen haben. Selbiges gilt übrigens für den Kleidungsstil: Farben und Beschaffenheit sind tolle Möglichkeiten, um Beschreibungen sinnvoll auszubauen.
Das gleiche kann man mit Tattoos durchspielen, aber ich denke, mein Punkt ist klar geworden.

5. Sinn:
So. Wir haben hier jetzt ziemlich viel schon aufgeklärt, was man in einem guten Aussehen nicht macht, weil es das zu einem schlechten Aussehen macht. Und jetzt kommen wir zu einem Punkt, den ich immer und immer wieder gern kritisiere: Mehr oder weniger sinnlos zusammengewürfelte Attribute bei Menschen. Bei weiblichen Charakteren ist das sowieso ganz schlimm, bei männlichen kommen aber manche Dinge auch gern vor.
Um zu verdeutlichen, was ich meine, nehme ich mir gerade nochmal den Beispielsatz vor:
Barbara ist mittelgroß, sehr schlank, aber mit Kurven. Sie ist außerdem muskulös.
-> Das ist eine kurvige Frau.
-> Das ist eine im gesunden Maße schlanke Frau. (Ich würde eher die Formulierung "normal gewichtig" bevorzugen, und sehr schlank ist das für mich definitiv nicht.)
-> Und Das ist zwar voller Wasserzeichen, aber eine muskulöse Frau.
Was ich damit sagen will? Nur, weil man Attribute aneinander reiht, muss das noch lange keinen Sinn ergeben. Im Zweifelsfalle, auch, wenn ich da echt kein Fan von bin, gibt es Ausweichmöglichkeiten wie die Kleidergröße, um etwas zu beschreiben. Oder man akzeptiert, dass ein Charakter nicht muskulös sein muss, um stark zu sein, und nur, weil Barbara keine 32 trägt, ist sie noch lange kein adipöser Mensch.

6. Verbotene Formulierungen:
Auch, wenn es in diesem Beispiel jetzt nicht vorhanden war, liste ich gerade noch einmal meine schwarze Liste auf. Es gibt Wörter und Formulierungen, die man niemals, niemals in einem Steckbrief verwenden sollte:
- jegliche Abwandlung von "immer"
- jegliche Abwandlung von "nie"
- "das erste, was jedem an ihr/ihm auffällt"
- "die meisten Leute würden sagen, dass dieses und jenes an xy am auffälligsten ist"

Es gibt immer Situationen, in denen dein Charakter irgendetwas zum ersten mal tun würde. Gerade im Aussehen können solche Floskeln einem Spieler und einem Charakter so leicht das Genick brechen (und eine Leitung zur Weißglut treiben), weil Formulierungen wie "er lächelt immer" einfach zu vollkommener Unfug sind. Ein Charakter, der immer lächelt, ist entweder ein bisschen blöde, oder der Joker - und weder das eine, noch das andere möchte man im Zweifelsfalle wirklich. Ein Charakter der nie lächelt, scheint ziemlich ungesund zu leben, und sollte sich vielleicht Hilfe holen - und selbst schwer depressive Menschen lächeln ab und an. Es ist nämlich tatsächlich gesund.
Desweiteren ist es völlig individuell, was jemandem an einem Menschen zuerst auffällt. Ich bin zum Beispiel jemand, der grundsätzlich erstmal auf die Kleidung eines Menschen guckt, ob es z.B Bandshirts, oder Nerdshirts sind, oder irgendwelche Markenklamotten, die ich nicht kenne, oder doch kenne etc, während einige meiner Freunde zuerst auf die Haarfarbe gucken etc. Deshalb kann man es niemandem vorschreiben, was zuerst bemerkt wird, oder was am auffälligsten ist. Ausnahmen bilden beim letzten Punkt Dinge wie ein fehlendes Auge, aber auch da sollte man den subtileren Weg gehen, und es anders formulieren: "Auffallend ist seine fehlende Gesichtshälfte", zum Beispiel. Einem Spieler in den Mund zu legen, was dem Charakter auffallen soll, ist einfach nie die feine, englische Art.

Mit diesen fünf Punkten im Hinterkopf, schreibe ich Barbaras Aussehen jetzt einmal neu.

Barbara ist mittelgroß und schlank. Sie hat trainierte Arme und Beine, ist aber eher fit, als wirklich muskulös. Ihre Arme und Hände sind lang, und man sieht Andeutungen einiger Muskeln.
Sie hat lange, volle, blonde Haare, die ihr bis zur Taille gehen, ein ovales Gesicht, mit einer hohen Stirn und hohen Wangenknochen. Sie hat blaue Augen, eine Stupsnase und einen sanft geschwungenen Mund, mit roséfarbenen Lippen. Ihre Haut ist hell und rein.
An Armen und Beinen, sowie am Rücken, hat Barbara einige Narben, die von diversen Unfällen aus ihrer Jugend stammen. Besonders auffällig ist dabei eine Narbe, die in langen Kratzern über ihren Rücken verläuft, und das Resultat eines unglücklichen Zusammenstoßes mit einem Stacheldrahtzaun ist.
Auf der linken Schulter hat sie eine Pfote tättowiert; das ganze Tattoo ist schwarz, und darunter steht in römischen Zahlen: "II. IV. IXMCVI". Außerdem hat sie eine Feder und einen Kompass auf ihrem rechten Oberarm, und ein Fußkettchen mit Kreuz am linken Fuß tättowiert.
Barbara trägt mit Vorliebe T-Shirts, die eng genug sind, um ihre Figur zu betonen, aber nicht so eng, dass es irgendwie verwerflich aussehen würde. Im Winter wechselst sie jedoch zu Pullovern, und bei feineren Anlässen trägt sie auch Blusen. An Farben für ihre Oberteile bevorzugt sie generell knallige Töne: Rot, Azurblau und Grasgrün, aber auch Weinrot und Königsblau trägt sie gern. Ihre Hosen sind in der Regel Jeans, und blau, grau oder schwarz. Allerdings hat sie auch einige Röcke in ähnlicher Farbgebung. Am liebsten trägt sie ihre schwarzen Ballerinas, auf die sie selbst Kunstperlen aufgenäht hat.


Die Unterschiede dürften klar erkennbar sein: Barbara hat jetzt nicht nur eine vernünftige Aussehensbeschreibung, sondern auch, durch diese Beschreibung, ein wenig mehr Charakter bekommen. Es gibt immer noch einige offene Fragen, und das perfekte Aussehen ist es nicht (das ist meiner Meinung nach auch noch nicht geschrieben worden, und wenn, dann sicher nicht von mir), aber ich hoffe, ich konnte ein wenig helfen.

Ergänzungen, Meinungen etc sind natürlich immer gern gesehen. c:
“After nourishment, shelter and companionship, stories are the thing we need most in the world.”
― Philip Pullman
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